Von Anja Baumgart-Petsch (Wiesbadener Kurier)
BRANDSCHUTZ Der Weg zum möglichen Einsatzort darf nicht zugeparkt werden / Kontrollfahrt in Niederjosbach
Die Kinder freuen sich, wenn das große Feuerwehrauto in ihrer Straße auftaucht. Die Erwachsenen schauen da schon anders drein: Brennt es etwa? Aber das Blaulicht auf dem Dach ist ja gar nicht an. Dann der zweite Gedanke: Hab ich etwa falsch geparkt?
Enge Gassen
Genau aus diesem Grund ist die Freiwillige Feuerwehr Niederjosbach - wie die Kollegen in den anderen Stadtteilen auch - einmal im Jahr unterwegs, um zu überprüfen, wo die neuralgischen Punkte sind. Denn das große Löschfahrzeug beansprucht schon mehr Platz als der durchschnittliche Pkw. Da heißt es, in so manchen engen Straßen heftig rangieren, die Hilfe eines Kollegen in Anspruch nehmen - oder sogar umkehren und einen anderen Anfahrtsweg versuchen.
Dabei ginge im Ernstfall wertvolle Zeit verloren, sagt Wehrführer Mike Herrmann. „Wir haben eigentlich die Maßgabe, in weniger als zehn Minuten am Einsatzort zu sein“. Für die Feuerwehrleute ist das kein Problem - wenn sie denn durchkommen, denn immer noch ignorieren viele Autofahrer die Halteverbotsschilder oder die bekannten Verkehrsregeln, nach dem Motto: Wird schon nichts passieren. Schlimm ist auch, wenn ein Hydrant zugeparkt wird, denn dann kann die Feuerwehr ihre Schläuche nicht anschließen. An diesem Tag finden Mike Herrmann und seine Kollegen aber wenige Sünder in Niederjosbach. Darum geht es ihnen aber auch nicht. „Wir möchten einfach mal Präsenz zeigen und die Menschen zum Nachdenken bringen, indem wir ihnen praktisch zeigen, wie viel Platz ein Feuerwehrfahrzeug doch benötigt“. Das klappt auch: Viele kommen in die Vorgärten und schauen zu, wie Fahrer Bernd Hildebrand das LF 16 zentimetergenau an parkenden Autos vorbei und um enge Kurven lenkt. Er hat es gut im Griff - auch wenn natürlich das Rangieren im Ernstfall ebenfalls wertvolle Zeit kosten würde.
„Mein größter Wunsch wäre einfach, dass alle Schilder beachtet werden. Denn dabei hat man sich immer etwas gedacht“, sagt Mike Herrmann. Wenn man dann noch auf die Position der Hydranten achte, nicht in Kurven parke und vor allem auch keinesfalls in Feuerwehreinfahrten sein Auto abstelle, sei eigentlich alles in Ordnung.
Mit an Bord bei der „Simulationsfahrt“ ist auch Eppsteins Erster Stadtrat und Feuerwehrdezernent Alexander Simon. Er lobt seine Wehrleute für deren Einsatzbereitschaft, hat auch einen kleinen Scheck für die Jugendarbeit in Niederjosbach dabei. Dort wurde vor einem Jahr eine Kinderfeuerwehr gegründet. „Bei der Brandschutzerziehung in Kindergärten, die wir auch übernehmen, wollten viele Kinder gleich mitmachen und waren enttäuscht, dass die Jugendfeuerwehr erst Kinder ab zehn Jahren aufnimmt. Deswegen haben wir jetzt die gut besuchte Kindergruppe“, gibt Mike Herrmann Auskunft. Viele Mädchen sind dabei. Während das Feuerwehrfahrzeug durch die Schulstraße und den „Honigbaum“ fährt, sind an diesem Vormittag keine Falschparker zu sehen. „Das versetzte Parken wird oft auch nicht so praktiziert, dass man mit dem großen Fahrzeug durchkommt, aber heute klappt’s“ freut sich Bernd Hildebrand.
Der Parkdruck in Neubaugebieten, wo nun die nächste Generation den Führerschein erwirbt, wird natürlich größer. Wer einen Parkplatz auf dem Grundstück hat, sollte diesen auf jeden Fall nutzen, bitten die Feuerwehrleute. In der Obergasse steht noch ein landwirtschaftliches Fahrzeug im Weg, da geht es um Millimeter - aber auch das schafft Bernd Hildebrand mit Fingerspitzengefühl. Ansonsten ist man heute gut durchgekommen - und hat dabei wohl aber doch einige Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass die Feuerwehr im Ernstfall ihren Platz bekommen muss.


