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Millimeter können im Ernstfall entscheiden

Simulationsfahrt mit der Feuerwehr durch Niederjosbach: An manchen Stellen ist kein Durchkommen

Spätestens zehn Minuten nach einem Hilferuf müssen Feuerwehrleute am Einsatzort sein. Doch enge Straßen und falsch geparkte Autos sorgen in Eppsteins Stadtteilen für erschwerte Bedingungen. In Niederjosbach wurde jetzt eine Feuerwehreinsatzfahrt simuliert. Das Kreisblatt war dabei.

Von Tina Schehler (Frankfurter Neue Presse)

Die einspurige Obergasse ist ohnehin schon eng, jetzt parkt auch noch ein Mini-Traktor großzügig auf dem Bürgersteig und der Fahrspur. Das Löschgruppenfahrzeug LF 16 der Niederjosbacher Wehr passt gerade so durch. Für Fahrer Bernd Hildebrandt ist das allerdings mühsame Millimeterarbeit. "Im Ernstfall kann das den Einsatz erheblich verzögern", erzählt Mike Herrmann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Niederjosbach. "Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass wir bei einem Einsatz im Ort die Anwohner herausklingeln mussten, damit sie ihr Fahrzeug wegfahren. Das kostet wertvolle Minuten." Bisher war glücklicherweise immer jemand da.

 

Umweg über Oberjosbach



Während er Hildebrandt am Traktor vorbeilotst, stehen schon einige Nachbarn auf der Straße und schauen dem Schauspiel zu. "Wir haben dasselbe Problem. Hier parken manchmal sogar Lastwagen, und wir kommen nicht vorbei", ereifert sich ein Anwohner. Der Wehrführer spinnt den Gedanken weiter: Würde es nun ganz am Ende der Straße brennen und ein Fahrzeug den Weg versperren, "dann müssten wir an dieser Stelle sogar den Umweg über Oberjosbach in Kauf nehmen".

Insgesamt kann der Wehrführer beruhigen: In Niederjosbach war die Freiwillige Feuerwehr bisher bei jedem Einsatzfall in weniger als zehn Minuten am Einsatzort. "Nachts schaffen wir es zum Teil in zwei Minuten", so der Wehrführer nicht ohne Stolz. 2010 war die Niederjosbacher Wehr 60 Mal im Einsatz. 300 Einsätze waren es in Eppstein insgesamt.

Trotzdem möchte die Wehr durch Aktionen wie diese darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, besonders Halteverbotszonen freizuhalten. "Viele denken sich nichts dabei. Eltern parken vor dem Kindergarten oder der Schule falsch mit dem Argument, nur zwei Minuten dort zu stehen. Im Notfall kann das aber entscheidend sein", gibt Herrmann zu bedenken.

 

"Garage benutzen"



Bei der simulierten Einsatzfahrt wird deutlich, wo die Engstellen in Niederjosbach liegen: Vor allem in der Nassauer Straße, Am Honigbaum, Am Hirtengraben, in der Schulstraße oder in der Obergasse kann es am Abend im Einsatzfall brenzlich werden. "Heutzutage haben die meisten Familien zwei bis drei Autos. Wenn alle auf beiden Seiten am Straßenrand stehen, wird es eng", so Herrmann. In der Nassauer Straße ist es bei der Simulationsfahrt nur zu gut zu sehen: Zwar wird die vorgeschriebene Mindest-Durchfahrtbreite von 2,50 Metern eingehalten, und niemand parkt falsch. Aber: Im Notfall bleibt trotzdem kein Platz, um an Schläuche, Geräte und Materialien heranzukommen, die sich hinter Rolltüren an der Fahrzeugseite verbergen.

"Vor drei Jahren hat es in der Nassauer Straße in einem Dachstuhl einen Schwelbrand gegeben. Da ging es um jede Minute, und wir konnten die angeforderte Drehleiter nicht direkt vor dem Haus positionieren, weil die seitlichen Stützen nicht ausgefahren werden konnten", erinnert sich der Wehrführer. Nur gut, dass ihr Radius groß ist und auch Schläuche mit zwischengeschalteten Pumpen in 250 Metern Entfernung noch löschen können. Seine Bitte an die Anwohner: "Bitte möglichst Privatparkplätze und Garage benutzen!"

Ein gutes Beispiel seien die neugestaltete Gartenstraße und die Bahnstraße: "Seit hier Parkflächen gut sichtbar ausgewiesen wurden, gibt es hier keine Probleme mehr", so Bernd Hildebrandts Fazit. Eine weitere Verbesserung: Im Zuge der Bauarbeiten wurden die Hydranten in die Straßenmitte versetzt. "Die werden nämlich gerne zugeparkt", weiß Herrmann. Und das, obwohl Schilder auf jeden Hydranten hinweisen. Er bittet darum, grundsätzlich auf die ovalen Deckel auf der Straße zu achten.

 

Bürger sensibilisieren


Einmal im Jahr werden die Stadtteile abgefahren und Engstellen neu überprüft, erzählt Alexander Simon, Feuerwehrdezernent und Erster Stadtrat, der mit im LF 16 sitzt. Die Feuerwehr wolle präventiv arbeiten. "Wir möchten die Bürger sensibilisieren", sagt er. Ab und zu sei in der Vergangenheit bei einer solchen Simulation auch schon mal das Martinshorn eingeschaltet worden, wenn es kein Durchkommen gab. Simon: "Eine Mahnung, die niemand so schnell vergisst."

 
 
 
 
 

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